Gewalt und Mobbing – schau nicht weg

Gewalt

Bespiele von Gewalt im Cevi: 

  • Die Jungschargruppe spaziert an einer Gruppe Jugendlichen vorbei, diese fangen an Beschimpfungen zu rufen. Einer der Jungschärler kann sich nicht mehr beherrschen und schlägt zu.
  • Eines Nachts wird das Zeltlager „überfallen“. Eine Gruppe von Fremden reisst Zelte nieder und macht Lärm. Einige Kinder haben noch Tage danach Angst.
  • Ein Jungscharkind aus der Gruppe bedroht ein anderes Kind: „Wenn Du mir kein Znüni bringst, werde ich Dich verhauen“.

Wo sich Menschen zusammen aufhalten, zusammen arbeiten, zusammen Freizeit verbringen sind Konflikte normal. Sofern Konflikte früh genug erkannt und angegangen werden, sind diese nicht problematisch, sondern eine Chance für Weiterentwicklung. Bei einem aufkeimenden Konflikt müssen folgende Fragen geklärt werden.

  • Was ist das Problem?
  • Wen belastet das Problem am meisten?
  • Wie erklärst Du Dir das Problem und wie erklären sich andere das Problem?
  • Welches sind meine Ziele, wie soll der Zustand am Besten sein?
  • Welches sind die Ziele der Anderen?
  • Was kannst Du konkret ändern?

Manchmal reicht bereits die Beantwortung der Fragen aus, um Massnahmen zur Entschärfung des Konfliktes einzuleiten.
Reicht dies nicht aus oder sind die Verantwortlichen überfordert, ist es unbedingt erforderlich, Hilfe von aussen zu holen! So steht euch die Jugendarbeiterin des Cevi Sekretariates in solchen Situationen zur Seite oder eine Bezugsperson in eurer Kirchgemeinde, eine professionelle Mediatorin (Vermittlungsperson) oder im Falle von Gewalt auch eine Fachperson in diesem Themenbereich.

Gewaltloses Verhalten gegenüber schwierigen Kindern in der Jungschar

Schwierige Kinder sind auch in Cevi Gruppen zu Hause. Manche rauben einem den letzten Nerv und man hat das Gefühl, nur noch körperliches Eingreifen würden die/den Betroffene/n zur Vernunft bringen. Schnell kommt es für Leitungspersonen zu Stresssituationen. Um eines vorweg zu nehmenkörperliche Gewalt anzuwenden ist illegal und somit strafbar (vrgl. Kinderrechtskonvention). Eine passende Strategie zu finden um den Konflikt zu schlichten oder gar zu lösen ist deshalb unumgänglich. Hier einige Vorschläge:

  • Eine kurze Auszeit nehmen (z.B. leise auf 100 zählen) und in Ruhe überlegen, welche Reaktion angebracht ist.
  • Das Kind ignorieren (nur wenn es den Rest der Gruppe nicht negativ beeinflusst).
  • Erklären, wieso man sein Verhalten nicht gut findet.
  • Das Kind auf die Seite nehmen und beruhigen (z.B. wenn es kurz vor einem Wutausbruch steht, weil ihm etwas nicht gelingt oder wenn es von jemandem provoziert wird).
  • Einen Witz machen, um die Situation zu entschärfen.
  • Gruppen so umteilen, dass die Störfaktoren nicht mehr in der gleichen Gruppe sind.
  • Erklären, dass das Verhalten in der Gruppe nicht tolerierbar ist und dass deswegen Massnahmen ergriffen werden müssen (z.B. nach Hause schicken, wenn es nicht bessert). Achtung: Massnahmen müssen auch umgesetzt werden, wenn sie angedroht werden, ansonsten wirken sie unglaubwürdig. Auch hier gilt die Aufsichtspflicht und Obhutpflicht. Kinder müssen von jemandem nach Hause begleitet und persönlich abgegeben werden. Ebenfalls müssen die Eltern über den Vorfall informiert werden.
  • Gespräch mit den Eltern suchen und gemeinsam mit dem Kind Lösungen erarbeiten, wie es sich ohne Gewaltausbrüche in die Gruppe einbringen kann.
  • Gemeinsam mit der Gruppe einen Gruppenkodex ausarbeiten für den Umgang miteinander. Abmachen, was passiert, wenn man sich nicht daran hält (auch für Leiter/innen gültig).
  • Mit der Gruppe ein sogenanntes „Soziodrama“ spielen. Alle erhalten eine Rolle zugewiesen (am besten eine mit anderen Charakterzügen als die eigenen). Die Kinder spielen in einem Rollenspiel die ihnen zugeteilten Rollen. Dies hilft den Kindern auch andere Sichtweisen einzunehmen und zu verstehen. Das „Soziodrama“ kann nach einem Konflikt eingesetzt werden oder die Leiter-Kinder Rolle kann umgekehrt werden. So merken die Jungschärle*innen schnell, dass es nicht immer einfach ist, als Leiter*in fair zu sein und immer die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die Möglichkeiten sind ganz der Phantasie des „Regisseurs“ überlassen.

In seltenen Fällen ist jedoch auch physisches Eingreifen nötig. Wenn sich jemand zum Beispiel in Gefahr begibt und nicht auf Aufforderungen reagiert, musst du als Leiter*in das Kind wegzerren oder wenn ein Kind auf das Andere losgeht müssen die beiden auseinander gebracht werden. 

Sollte das gewünschte Resultat nicht eintreffen oder sollte eine Überforderung der Leiter/innen eintreten, ist unbedingt eine erfahrene Vertrauens- oder Fachperson beizuziehen.

Prävention heisst vorbeugen, damit ein möglicher Zustand gar nicht erst eintritt. Mit Präventionsmassnahmen können Gewaltausbrüche vermindert jedoch nicht 100% ausgeschlossen werden. 

  • Frustkasten: Alle, die wollen, können aufschreiben was sie ärgert und den Zettel einwerfen. Der Schlüssel hat nur eine vorher bestimmte Person. So können Probleme angegangen werden ohne Exponierung einzelner Personen. Ein Frustkasten ist zugleich ein wunderbares Stimmungsbarometer und lässt Rückschlüsse auf die allg. Zufriedenheit zu.
  • Austoben: Kinder müssen sich austoben können um Aggressionen abzubauen. Dafür eigenen sich sportliche Tätigkeiten, Wanderungen, Geländespiele, Kissenschlachten etc.
  • Boxsack: Eine Aggressionsecke mit Boxsack, wo sich die Kinder zurückziehen können, wirkt manchmal Wunder.
  • Positive Tagesschau: Zusammen mit den Kindern eine Zeitung/Tagesschau nur mit positiven Meldungen verfassen.
  • Teambuildingspiele: Ein Geländespiel durchführen, das nur erfolgreich gemeistert werden kann, wenn sich alle Gruppenmitglieder zusammenschliessen und zusammen an der Lösung arbeiten.
  • New Games: Spiele, in denen es keine Verlierer und keine Gewinner gibt, häufig in das Programm einplanen.
  • GRUGEI: Gruppengeist in der Gruppe fördern und pflegen (Gruppennamen, Gruppenabzeichen, Gruppenurkunde, Gruppengeheimnis….)
  • Arbeitsplan: Zum Thema Gewaltprävention gibt es einen Arbeitsplan, der vom Cevi entwickelt wurde. Dieser eignet sich ausgezeichnet für Kinder ab ca. 12 Jahren.

Gewalt kann diverse Ursachen haben, die für Aussenstehende nicht nachvollziehbar sind. Der Cevi soll eine möglichst gewaltfreie Zone bieten, in denen sich Kinder, die vielleicht zu Hause Gewalt erleben, wohl und sicher fühlen können.

Wo hört Action auf und fängt Gewalt an?

Nachtübungen sind beliebte Programmpunkte in einem Lager oder an einem Weekend und sind meist mit tollen Erinnerungen verbunden. Allerdings kann es auch vorkommen, dass Nachtübungen das Gegenteil hervorrufen. Folgende Beispiele zeigen, wie mit solchen Situationen umgegangen werden kann.

Beispiel 1: Zwei Jungs sind aufgrund einer überraschenden Nachtübung so sehr erschrocken, dass sie später Angst haben, ein Lager zu besuchen. Nachtübungen, welche den LeiterInnen harmlos erscheinen, können bei Kindern grosse Ängste auslösen.

Alternative: Die Nachtaction im Lager jeweils ankündigen (vor allem den jüngeren Kindern). Die Spannung geht dabei nicht verloren. Die Kinder haben die Möglichkeit, sich innerlich auf die Übung vorzubereiten und erschrecken nicht.

Beispiel 2: Ein Leiter hat seine Nachtübungen oft mit Hilfe von seinen gleichaltrigen Freund*innen durchgeführt. Die Jungs in seiner Gruppe haben diesen immer vertraut. An einem Abend kommt es aber zu einem Zusammentreffen mit einer Gruppe fremder Männer und Frauen. Für den Leiter ist es sehr schwierig, seinen Jungs den Ernst der Situation klarzumachen, da diese annehmen, es handle sich wie üblich um eine Gruppe befreundeter Leiter*innen.

Tipp: Mit den Kindern ein Codewort vereinbaren und immer ehrlich Auskunft über die Identität der Helfer*innen geben. Die wahre Identität der Helfer*innen nicht verschweigen, wir wollen den Kindern Vertrauen lehren, aber auch den nötigen Respekt vor dem Unbekannten.

Beispiel 3: Bei der Namenstaufe mussten die Kinder nachts alleine durch den Wald laufen, als Mutprobe. Auf dem Weg mussten sie verschieden Posten absolvieren, wobei sie an einem Posten etwas Unkenntliches essen mussten.

Wichtig: Mit der Taufe werden die Kinder in die Gruppe aufgenommen oder bekommen einen Jungscharnamen. Dies sollen sie spüren und durch ein positives Erlebnis vermittelt bekommen. Kinder sollen gestärkt und nicht nur erschreckt werden. Die Leiter*innen haben die volle Verantwortung gegenüber Kindern und deren Eltern. Mögliche Konsequenzen kommen auf die Verantwortlichen (z.B. Lagerleiter*in und Abteilungsleiter*in) zurück.

Mobbing

Ob im Berufsleben oder im Cevi: Mobbing ist überall ein heikles Thema. Da auch du eventuell einmal mit diesem Thema in Berührung kommst, findest du hier einige Merkmale und Tipps.

Definition:

Mobbing bedeutet wiederholtes und systematisches Schikanieren, Plagen, Drohen, Beschimpfen und vieles mehr, das geeignet ist, ein Opfer zu demütigen und auszustossen. Mobbing tut weh, und erzeugt Stress!

Merkmale:

Mobbing …
…ist Kräfteungleichheit: Das Opfer gegen den Mobber und seine „Mitläufer“!
…ist häufig: Die Übergriffe kommen mindestens einmal pro Woche oder mehrmals vor!
…hat ein System: Mobbing geschieht nicht einfach zufällig, sondern ist auf eine bestimmte Person gerichtet!
…ist dauerhaft: Mobbing geschieht über einen längeren Zeitraum (Wochen oder Monate)!
…ist kräfteraubend: Die gemobbte Person hat kaum die Möglichkeit, alleine aus der Situation zu entkommen!

Trotz dieser Merkmale: Einfach zu erkennen ist Mobbing nicht, da es unterschiedliche Formen annehmen kann und die Handlungen für Aussenstehende meist als Blödeleien angesehen werden. Dazu kommt, dass Mobbing nicht dramatisch aussehen muss, sondern es meist lustig wirken kann.
Was wir sehen ist nur die Spitze des Eisberges – Mobbing spielt sich häufig im Verborgenen ab.
Auf was wir uns trotzdem achten können, sind Warnsignale, welche die Opfer von sich geben:

Warnsignale können sein:

  • Ein Kind ist meist alleine (in Klassen, Pausen), hat keinen richtigen Freundeskreis.
  • Bleibt beim Wählen der Mannschaften meist übrig.
  • Sucht die Nähe zu den LeiterInnen.
  • Verpetzt andere bei den LeiterInnen.
  • Ist Zielscheibe bei Witzen.
  • Wirkt unsicher, ängstlich und traurig.

Programmideen bei Mobbing

Butterfly Circus: Ein Mann, der ohne Arme und Beine zur Welt gekommen ist, lernt, dass auch er wertvoll ist. Kurzfilm, den man gratis auf Youtube findet. Das Thema Mobbing kommt nicht direkt zur Sprache, es geht darum, dass jeder Mensch auf seine Weise einzigartig und wertvoll ist.

Der Hase wird gemobbt: Ein kurzer Clip, der für die Primarschule gedacht ist. Auf der Webseite findet ihr auch Ideen, wie man den Film besprechen kann. Da das Thema Mobbing hier sehr explizit behandelt wird, ist dieser Film nur dann geeignet, wenn die Kinder (oder das Kind), das unter Mobbing leidet, sein Einverständnis gegeben hat, dass man das Thema zusammen anschaut.

Diese Seite ist im Aufbau… weitere Tipps folgen!

Der beschädigte Apfel

Nehmt zwei Äpfel. Einen davon lässt ihr vor dem Progi mehrmals zu Boden fallen. Die Dellen sind von aussen nicht sichtbar. Während dem Progi sollen die Kinder die beiden Äpfel beschreiben. Zuerst werden sie wohl beide Äpfel gleich beschreiben. Dann aber erzählt ihr etwas Böses über den einen Apfel, in der Hoffnung, dass die Kinder das aufgreifen und nun auch schlecht über diesen Apfel sprechen. Ihr könnt zum Beispiel erzählen, dass der eine Apfel gar nicht vom Baum fallen wollte, weil er so ein Schisshase war oder dass einmal ein Vogel mitten drauf gekackt hat und man das gesehen hat, bis der Regen kam. Ihr könnt das so weit treiben, bis alle Kinder davon überzeugt sind, dass der eine Apfel irgendwie hässlich ist.

Nun schneidet ihr beide Äpfel auf. Die Kinder werden staunen, dass der Apfel, den sie vorher ohne zu zögern beleidigt haben, nun innerlich ganz braun geworden ist (klar – das kam vom zu Boden fallen, aber das wissen sie ja nicht). Nun könnt ihr darüber diskutieren, was Worte mit einem anrichten können und dass man von aussen häufig nicht sieht, was es in einem Menschen innen anrichtet.